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Friday, May 15, 2020

Janis -- Her Life And Music

Dies ist die nunmehr sechste Janis-Joplin-Biographie in meinem Bücherregal, erschienen im Oktober letzten Jahres. Da inzwischen nun wirklich keine Neuigkeiten mehr aus dem Leben der Sängerin herauszupressen sind, schon gar keine sensationellen, hat die Autorin Holly George-Warren in erster Linie die allseits bekannten Stationen aus Janis' Leben nachgearbeitet und sie dabei neu gewichtet.

So unoriginell wie der Titel ist die Vorgehensweise der Autorin. Vielleicht gerade deshalb gelingen ihr gelegentlich Perspektiven, die so noch nicht beschrieben worden sind. Ein Schwerpunkt liegt auf Janis' Kindheit und Jugend und ihr Verhältnis zu Geschwistern, Eltern und Mitschülern. Dass sie zeitlebens versucht hat, ihre Eltern davon zu überzeugen, dass sie mit ihrer Entscheidung, nach San Francisco und zu BBHC zu gehen, den richtigen Schritt getan hatte, zieht sich durch viele Briefe, aus denen die Autorin zitiert. Dass dabei ihre objektive Situation nicht immer dem entsprach, was sie ihren Eltern erzählte, wird hier sehr deutlich. Janis' Talent, andere vor den Kopf zu stoßen, ihr ständiger Alkohol-, Pillen- und Heroinkonsum, ihre dauernden Versuche, damit aufzuhören und es doch nicht zu schaffen, ebenso ihr ständiger Fight mit diversen Sex- und Liebesabenteuern: das alles wird in diesem Buch nicht anekdotisch am Rande abgehandelt, sondern in zum Teil epischer Breite als die lebensbestimmenden Faktoren, die sie wohl waren. Gleichwohl bin ich nicht davon überzeugt, dass alle, die heute behaupten, mit Janis geschlafen zu haben, das wirklich getan haben. Es ist nun mal nicht mehr überprüfbar.

Es ist dies die erste Joplin-Bio, in der wirklich detailliert auf die Geschichte ihrer verschiedenen Bands eingegangen wird. Dass Janis' Ausnahmetalent die Jungs von Big Brother & The Holding Company überforderte, kann jeder hören, der Ohren hat. Das wusste Janis auch selbst. Gleichzeitig aber war die Band für sie so etwas wie ein sicherer Hafen. Die Band hielt zusammen wie Pech und Schwefel, und Janis sah sie als eine Art Familie an. Um sie endlich dazu zu bringen, BBHC zu verlassen und eine eigene Band zu gründen, brauchte es eine starke Vaterfigur, in diesem Fall ihren Manager Albert Grossman. Und selbst das tat sie nicht, ohne Sam Andrew aus BBHC mitzunehmen. Das führte wiederum zu Schwierigkeiten mit den erstklassigen Musikern ihrer Kozmic Blues Band, mit deren Fähigkeiten Sam nicht mithalten konnte. Und Janis selbst stellte schon bald fest, dass es ihr nicht lag, eine Band zu führen. Genau das aber hätte sie tun müssen; die Kozmic-Blues-Leute konnten zwar alles spielen, was man von ihnen verlangte, aber man musste ihnen genau sagen, was sie spielen sollten. Auch das Publikum akzeptierte die neue Band und den souligen Sound nicht so ohne weiteres. Und so erfahren wir dann auch, wie Janis an ihre dritte und beste Band kam, die dann den Namen Full Tilt Boogie Band annahm.

Nebenher wird beschrieben, wie BBHC einen sehr dummen Knebelvertrag mit dem Jazzlabel Mainstream Records abschloss, aus dem sie schließlich von Columbia Records mit 200.000 Dollars herausgekauft wurden -- damals eine ungeheure Summe, die ahnen lässt, welche Hoffnungen Labelboss Clive Davis in Janis gesetzt haben muss. Aber auch ihm war klar, dass Janis das nicht mit BBHC schaffen würde, und so wirkte er hinter den Kulissen auf Grossman ein. Gelegentlich tauchen dabei auch Widersprüche zu früheren Biografien auf; etwa über die Story des Songs "Mercedes Benz" oder das Zustandekommen des namens "Pearl" -- ich kenne da inzwischen drei Varianten. Das Buch erweckt auch den Eindruck, dass Janis kaum jemals allein gewesen ist; immer waren irgendwelche Leute, Lover oder Musiker um sie herum, immer sollen auch Southern Comfort oder sonstwelche Mittelchen im Spiel gewesen sein; gleichzeitig aber wird geschildert, dass sie ständig mit einem großen Stapel Bücher reiste und viel und konzentriert gelesen haben soll. Das geht schlecht zusammen; es verträgt sich auch nicht mit Janis' überlieferter Klage, "On stage, I make love to 25,000 different people, then I go home alone". Und wie war das nun mit ihrem Tod -- hat da noch jemand etwas aus ihrem Hotelzimmer entfernt oder nicht? Auch hier gilt: Es ist nicht mehr überprüfbar.

Es sind die kleinen Randgeschichten und Anekdoten, die das Buch interessant machen auch für Leute, die schon andere Janis-Biografien kennen. Pflichtlektüre ist es nicht, aber sauber recherchiert ist es, und im Zusammenhang mit anderen Janis-Biografien ergibt sich ein insgesamt stimmiges Bild einer einmaligen, aber hochgradig zerrissenen Persönlichkeit, die wohl immer auf der Suche war, aber selbst nicht wussste, wonach.

Holly George-Warren
Janis -- Her Life And Music
Simon & Schuster 2019,
ISBN 9-781476-793108

Tuesday, December 4, 2018

Big Brother & The Holding Company: Sex, Dope & Cheap Thrills



Ein neues Album von Janis Joplin! Ein Doppelalbum sogar! Yay!

Na gut. Die Story des Cheap Thrills-Albums ist wahrscheinlich bekannt: Big Brother & The Holding Company (der Name ist bis heute seiner Zeit voraus) hatten sich im Studio so oft verspielt, dass der Produzent letztlich auf die Idee verfiel, Publikumsgeräusch dazuzumischen und das Ganze als Live-Album auszugeben. Dort würden die Fehler glatt als "authentisch" durchgehen. Einzig "Ball And Chain" war eine wirkliche Live-Aufnahme, aufgenommen im Fillmore in San Francisco. Wenn mich nicht alles täuscht, ist der für den Rest der Platte verwendete Beifall derselbe, der auch für das (ebenfalls gefakte) Live-Album der 13th Floor Elevators von 1968 eingesetzt wurde.

Columbia hat damals weder das ursprünglich vorgesehene Coverfoto




noch den eigentlich beabsichtigten vollen Titel des Albums akzeptiert. So ließ man es denn bei Cheap Thrills, und Janis Joplin höchstpersönlich bat Robert Crumb um einen Comic, den dieser mit Freuden lieferte. Und weil er so schön war, kam er aufs Frontcover. Auf die ihm angebotenen 600 Dollar verzichtete Crumb: "I don't want Columbia's filthy lucre". Wer sich's denn leisten kann ...



Weil Crumb davon ausging, dies solle das Backcover werden, visualisierte sein Comic die einzelnen Titel des Albums und nennt die Musiker. Eine der Zeichnungen war mit "Harry" beschriftet. Das war der Titel eines sehr kurzen und sehr schrägen Stücks, das die Seite 2 eröffnen sollte. Da die Plattenfirma dieses Stück ebenfalls rauswarf, wurde im Nachhinein "Harry" aus der Zeichnung entfernt und "Art: R. Crumb" eingefügt. (Crumb selbst hat seine Zeichnungen nie signiert.) -- Das Original des Comics übrigens ist 1971 aus dem Columbia-Archiv geklaut worden, wohl von einem Mitarbeiter. Zwölf Jahre später wurde es bei Sotheby's für 250.000 Dollar versteigert; das Auktionshaus hat den Verkäufer nie bekanntgegeben.

Nun ist "Harry" wieder da. Diesmal unter dem vollständigen Originaltitel des Albums, für das vorgesehene Originalfoto allerdings mochte man sich aber auch diesmal nicht entscheiden. (So originell war's auch wirklich nicht.) Zweieinhalb Stunden Outtakes und Live-Mitschnitte aus der Cheap Thrills-Ära gibt es zu hören -- 30 Stücke insgesamt, davon 25 bislang unveröffentlicht, fünf erschienen bereits als Bonustracks auf anderen Zusammenstellungen oder Re-Issues. In vielen Fällen, so ehrlich sollte man sein, erschließt sich recht schnell, weshalb das Stück ein Outtake geworden ist. Spielfehler, falsche Noten, Abbrüche und Aussetzer kommen immer mal wieder vor. Es wird (wieder einmal) klar, dass BBHC zwar eine für damalige Normalverhältnisse brauchbare Band war, mit Janis' Ausnahmetalent aber schlicht überfordert war. Auch Janis scheint nicht in allen Stücken bei 100 Prozent zu sein, dafür übertreibt sie in anderen Stücken mit voll durchgetretenem Gaspedal. Aber die meisten Stücke sind hörenswert. Und überhaupt: 80 Prozent Joplin sind immer noch mehr als das meiste, was heute gern mal als "neue Joplin" gehandelt wird. Es bleibt dabei: Es gibt nur eine.

Das Booklet beinhaltet einen kurzen Gruß von Grace Slick und einen längeren Text von BBHC-Drummer Dave Getz, der einiges an interessanten Hintergrundinformationen liefert.

Tuesday, May 10, 2016

Janis: Little Girl Blue






Ami Bergs neuer Dokumentarfilm über Janis Joplin, Janis: Little Girl Blue, hatte vor zwei Tagen seine amerikanische Fernsehpremiere und steht für die nächsten paar Wochen online bei PBS (leider vermutlich nicht ausserhalb der USA).

Um es vorwegzunehmen: Viel Neues bietet der Film nicht. Aber damit war wohl auch kaum zu rechnen. Es gibt nur wenige US-Stars, deren Werk und Nachlass so systematisch in kleinen Portionen in Büchern, Booklets und Zeitschriftenartikeln, auf immer wieder neuen CD-Kollektionen und neuerdings auch auf der Musicalbühne verhackstückt worden ist wie das Janis Joplins. Und noch immer hält die familieneigene Stiftung den Daumen auf allem, was von Interesse sein könnte. Wer die Janis-Biografien von Alice Echols, Myra Friedman, Ingeborg Schober und Janis‘ Schwester Laura Joplin gelesen hat, kennt die meisten der verfügbaren Informationen und Quellen, weiß aber auch, wie unklar und weitläufig interpretierbar sie sind. Besonders die Biografien Echols und Friedmans tragen allzu deutlich die Spuren des Versuchs, Janis für die politischen oder weltanschaulichen Vorlieben der Autorinnen zu vereinnahmen. Janis, behaupte ich, würde sich das energisch verbeten haben.

Diesen Fehler immerhin macht der Film nicht. Er verlässt nur kaum je das amerikanische Fernsehlevel, er bleibt also stets dicht an der Oberfläche. Dabei hätte er mit einer Laufdauer von 105 Minuten Zeit genug gehabt, auch mal weiter in die Tiefe zu gehen.

Neben viel Archivmaterial, das man längst kennt (Studio, Woodstock, Monterey, Festival Express), gibt es auch relativ neue Interviewschnipsel mit ihren Bandmates Peter Albin, Dave Getz und dem (inzwischen verstorbenen) Sam Andrew, mit Bob Weir von Grateful Dead, Country Joe McDonald, Kris Kristofferson, Fernsehmann Dick Cavett, dem damaligen CBS-Boss Clive Davis sowie dem Filmemacher DA Pennebaker. Auch Freunde, Liebhaber und Verwandte tauchen auf; manchmal haben sie sogar etwas Interessantes zu sagen. Viel hat Janis auch von ihrem Produzenten Paul Rothchild gelernt, doch der war leider nicht mehr zu interviewen.

Meist wird Janis getreu ihrem Klischeebild als emotionsgesteuertes Powerpaket dargestellt, das ständig von ihrem eigenen Überschwang davongetragen wurde. Dass ihr Gesang in Wahrheit sehr genau ausgetüftelt und bis in kleinste Verzweigungen ihrer stimmlichen Möglichkeiten erforscht, ausprobiert und einstudiert war – kein Wort davon in diesem Film. Dass Big Brother & The Holding Company eine passable Band war, soll nicht bezweifelt werden. Für Janis war sie ein guter Start. Dennoch musste Janis die Band verlassen, weil sie auf die Dauer dort mit ihrem Ausnahmetalent verhungert wäre. Meiner Ansicht nach eine konsequente und richtige Entscheidung. Der Film jedoch stellt sie als Fehlentscheidung dar, weil Janis mit der Band auch so etwas wie ihre Familie und damit ihren emotionalen Rückhalt aufgab. Man kann das so sehen, und sicher ist das ein Teil des emotionalen Chaos, das Janis wohl eigen war.

Weshalb dann die von Janis selbst zusammengestellte Kozmic Blues Band nicht funktionierte, macht der Film immerhin ansatzweise klar: Weil die Band aus Musikprofis bestand, die alles spielen konnten, was man von ihnen wollte, denen man aber genau sagen musste, was sie spielen sollten. Diese Führungsrolle war nicht Janis‘ Ding. Dass noch dazu die damals soultypischen Bläsersätze ihre Stimme erdrückten, muss sie selbst gemerkt haben. Wie Janis dann an die überwiegend kanadischen Musiker ihrer Full Tilt Boogie Band kam (ihrer zweifellos besten), wird leider gar nicht erklärt. Auch ihr Spiel mit der Kunstfigur „Pearl“, die sie sich – vermutlich für die Bühne – ausgedacht hatte, bleibt unerwähnt und ungeklärt. (Nein, „Pearl“ war nicht, wie immer wieder behauptet wird, Janis‘ Spitzname.)

In einigen Interviewausschnitten mit Janis kommt bei aller Oberflächlichkeit des Films trotzdem durch, dass sie eine hochintelligente Person war. Mit ihr konnte man über Musik und Kunst ebenso fundiert wie über politische oder soziologische Fragen diskutieren, sie hatte die amerikanischen Systemtheoretiker ebenso gelesen, wie sie Adorno oder Sartre an Bord hatte. Die Präzision und Überlegtheit, mit der sie Fragen beantwortet, ist oftmals bemerkenswert. Sie kannte Odetta und Billie Holiday bis ins Detail, ebenso aber auch Strawinsky oder Ligeti. Zeitlebens muss diese Frau darunter gelitten haben, dass das keiner von ihr hören wollte, ja, mehr noch: dass keiner ihr diese Kenntnisse überhaupt zutraute. Der Film geht auf diesen Aspekt kaum ein. Deswegen bleibt es letztlich auch rätselhaft, weshalb sie weder vom Alkohol noch vom Heroin dauerhaft loskam – der Film erklärt den Drogenkonsum durchweg mit jugendlichem Rebellentum, der emotionalen Leere nach den Auftritten und der Einsamkeit in den Hotelzimmern. Sicherlich nicht verkehrt, aber mir ein bisschen zu dünn als Erklärung.


Alles in allem ist Janis: Little Girl Blue kein schlechter Portraitfilm über eine sehr vielschichtige Persönlichkeit. Wer wenig über Janis Joplin weiß, erfährt hier einiges zum Einstieg. Aber man hätte mehr daraus machen können.


(Diese Besprechung wurde zuerst veröffentlicht auf manafonistas.de)
No English translation this time - sorry!

Saturday, July 18, 2015

Janis Joplin's original Porsche

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On view for two days at the Pittsburgh Vintage Grand Prix.

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Her Porsche 956c Cabriolet, built in 1965.

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Painting was done by Dave Richards, one of the Big Brother roadies.

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Next year I would like to see Joe Meek’s Sunbeam at the Grand Prix.

Saturday, February 14, 2015

Sam Andrew 1941 - 2015

 


Wie ich eben lese, ist gestern der Gitarrist Sam Andrew an den Folgen einer Herz-OP verstorben. Vor ungefähr 15 Jahren gab es auf einer Mailingliste über Jefferson Airplane, der ich folgte, einen Thread über Janis Joplin, und ich hatte dort irgendetwas kommentiert. Daraus ergab sich ein ziemlich langer Offlist-Email-Tratsch mit einem gewissen Sam über Janis. Da er immer nur mit „Sam“ zeichnete, wusste ich zunächst gar nicht, mit wem ich es zu tun hatte. Erst nach einigen Tagen, als ich das „bbhc.com“ in seiner Email-Adresse kapiert hatte („Big Brother & The Holding Company“), dämmerte mir plötzlich, dass ich mit einem von Janis' engsten Freunden sprach. Ich habe das nie vergessen.

Ja, dieses Internet. Immer für Überraschungen gut.

Gute Reise, Sam.

 

As I just read, guitarist Sam Andrew passed away yesterday following heart surgery. About 15 years ago, there was a thread about Janis Joplin on a Jefferson Airplane mailing list I followed, and I had commented on something there. This led to a rather long off-list email chat with a certain Sam about Janis. Since he always signed simply as "Sam," I had no idea who I was talking to at first. Only a few days later, when I realized the "bbhc.com" in his email addy ("Big Brother & The Holding Company"), did it suddenly dawn on me that I was talking to one of Janis's closest friends. I've never forgotten that.

Oh, this internet. Always good for surprises.

Have a good trip, Sam.