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Tuesday, November 19, 2019

2 x Live

Jeder hat sich wohl schon mal die Frage gestellt, wozu man ein Live-Album braucht, wenn man das Studioalbum schon hat. Zwei Live-Alben liegen auf dem Tisch und zeigen, dass sie durchaus ihren Sinn haben können.




John Fogertys neues, lange angekündigtes Studioalbum lässt weiter auf sich warten. Statt dessen, sozusagen als eine Art Ansichtskarte zwischendurch, gibt es ein Live-Album, mitgeschnitten irgendwann dieses Jahr im Red Rocks Amphitheater in Denver.

Nichts wirklich Neues, eher ein "Greatest Hits", aber in jedem Fall eine gute Ergänzung zum kürzlich veröffentlichten Woodstock-Auftritt der Creedence Clearwater Revival (siehe auch hier). Denn genau darum geht es: John Fogerty feiert sein 50-jähriges Woodstock-Jubiläum mit alten CCR-Nummern und Stücken von seinen Soloalben. Dass er stimmlich nicht mehr die Durchschlagskraft des Woodstock-Auftritts hat -- sei's drum, man erkennt ihn trotzdem noch, und als Gitarrist hat er seit 1969 eine Menge dazugelernt. Mit von der Partie sind Johns Söhne Shane (Gitarre, Gesang), der inzwischen selbst ein respektabler Gitarrist geworden ist, und Tyler (Gesang), dessen Zukunft nach meinem Eindruck eher hinter den Kulissen zu liegen scheint, auch wenn ich schon schlechteren Gesang gehört habe. Kenny Aronoff am Schlagzeug trommelt wie gewohnt Volldampf, Bob Malone (keyboards) und James Lomenzo (bass) halten mühelos mit. Das Ganze klingt selbstverständlich anders als zu CCR-Zeiten: Es klingt so, wie John Fogerty die Stücke heute spielt. Auf eine Nummer wie "Rock'n'Roll Girls" hätte man verzichten können, aber die meisten Fogerty-Kompositionen sind und bleiben unkaputtbar.

Die Überraschung des Albums in der mir vorliegenden Doppel-CD-Version ("Walmart-exclusive"; und da Walmart keine ausländischen Kreditkarten akzeptiert, wird diese Version in Europa nur auf Umwegen zu beziehen sein) sind unmittelbare Woodstock-Memories: Coverversionen von "With A Little Help From My Friends", "My Generation", "Everyday People" (das mich heute genauso wie im Original nervt), "Dance To The Music" und "Give Peace A Chance", mit Soulgesang (Trysette Loosemore und Lavone LB Seetal) "wie echt" und ebensolchem Soulgebläse, sind zu hören, und das durchaus hörenswert. Der einzige Missgriff ist Shane Fogertys "Star-Spangled Banner"-Solo -- schräge Gitarrensounds mit viel Echo, aber es zeigt letztlich nur, wieviel mehr der Meister draufhatte. Na gut, das Stück hängt am Ende von CD 1 -- man hat sich wohl gedacht: Dort stört es am wenigsten.

Um die Verwirrung komplett zu machen, gibt es anscheinend zwei verschiedene 1-CD-Versionen des Albums; eines enthält die Woodstock-Nummern, ein anderes nicht. Im Zweifelsfall darauf achten, welches man bestellt. Es gibt das Konzert auch als DVD und Blue-ray Disc. Vor deren Veröffentlichung wurde das Konzert am 11. November (dem Veteran's Day) per Satellit in 500 ausgewählte amerikanische Kinos übertragen -- allerdings offenbar mit wenig Resonanz. Es gab kaum Werbung, zum Teil gab es technische Probleme, in etlichen Kinos erschien nur eine Handvoll Zuschauer.

Das zweite Album, ebenfalls eine Doppel-CD, ist merkwürdigerweise dichter an Fogerty dran als man vermuten könnte: David Byrnes American Utopia on Broadway.


Die Studioversion dieser Show war letztes Jahr unter meinen Jahres-Top-Ten. Die hier von Byrne und einer elfköpfigen Band präsentierte Live-Fassung aus dem Hudson Theater am New Yorker Broadway ist aber noch um einiges mitreißender, selbst ohne die Choreographie von Annie-B Parson.

Das liegt allerdings weniger an den Utopia-Songs, die streckenweise etwas gewöhnungsbedürftig waren, sondern -- und das verbindet dieses Album mit Fogertys -- an dem mindestens halben Dutzend alter Talking-Heads-Titel, die sich nicht nur fugenlos ins Programm einpassen, sondern den neuen Stücken an Power sogar noch überlegen sind. Es ist verblüffend, wie wenig Tracks wie "Burning Down The House", "I Zimbra" oder "Once In A Lifetime" gealtert zu sein scheinen, obwohl sie um die 40 Jahre auf dem Buckel haben.

Was soll man sagen: American Utopia on Broadway erinnert unweigerlich an Stop Making Sense, der für mich noch immer ein maßstabsetzender Konzertfilm ist. Und die Frage, ob man das Livealbum braucht, wenn man das Studioalbum schon hat, erledigt sich beim Hören von selbst. Ich kenne die DVD noch nicht, bin aber sicher, dass auch sie das Anschauen wert ist.

Wednesday, November 6, 2019

Jan Erik Kongshaug 1944-2019




Sound engineer Jan Erik Kongshaug passed away yesterday night, Noember 5, 2019, at the age of 75.


ECM Records:

Jan Erik Kongshaug, recording engineer on many productions made in Oslo at the Bendiksen, Talent, and Rainbow Studios has died, aged 75. “Our first studio session together, and the beginning of a close collaboration lasting nearly fifty years, was Afric Pepperbird in September, 1970, with Jan Garbarek, Terje Rypdal, Arild Andersen and Jon Christensen. We were all rather innocent beginners, then,” Manfred Eicher recalls, “but listening to the playback shared a growing awareness of participating in something special.”
Near the beginning of the ECM story, Jan Erik engineered the influential series of solo piano recordings that included Chick Corea’s Piano Improvisations. Vol, 1 & 2, Keith Jarrett’s Facing You, and Paul Bley’s Open, To Love and, working closely with Manfed Eicher, helped to realize the clarity and transparency of sound that would become a hallmark of the label’s recordings.
“We experimented a lot then with microphone placements,” he recalled in a 2007 interview, “But, almost from the beginning, we never had to talk very much about technical things. A look or a gesture and I would know what was needed.”
Though most of the work took place in his native Norway, Kongshaug also contributed to ECM sessions at New York’s Power Station, where Pat Metheny’s Offramp and Keith Jarrett’s Standards were produced, and to the live recordings Personal Mountains and Sleeper of Jarrett’s quartet with Jan Garbarek, Palle Danielsson and Jon Christensen in Japan.
What a loss. But his recordings will remain. They are timeless.

Thursday, October 24, 2019

Country Music (PBS)





Der Dokumentarfilmer Ken Burns hat wieder zugeschlagen. Country Music ist der schlichte Titel, der exakt beschreibt, worum es geht: Die Geschichte der Country Music in (und zwar, wie bei allen PBS-Produktionen, so gut wie ausschließlich) den USA. Die Autoren der Serie sind Ken Burns und Dayton Duncan; letzterer war bereits Co-Autor von Burns' früherer Serie Jazz.

Die Serie besteht aus acht Teilen, die zwischen 1:45 und 2:15 Stunden dauern und chronologisch der Geschichte der Country Music nebst einigen Nebenzweigen, etwa dem Bluegrass, aber auch dem Country Rock) folgen.

Countrymusik ist ganz sicher nicht jedermanns Tasse Tee, aber sie ist doch ein eigenständiger Musikzweig der beiden nördlichen Amerikas, der, im Zeitablauf betrachtet, viel über die Denkweise und das Selbstverständnis der (weißen) Amerikaner verrät -- und das macht die Sache interessant, selbst dann, wenn man der Musik nicht allzuviel abgewinnen kann. Wer sich noch an Ken Burns' zwölfteilige Serie Jazz von 2001 erinnert, kann erahnen, wie Country Music gestrickt ist: Viele kurze Musikbeispiele sind zu hören, die großen (das heißt in diesem Fall meist: die kommerziell erfolgreichen) Stars werden ausführlich portraitiert, viele kleinere Sterne und Sternchen werden beiläufig erwähnt, diverse Musiker, Radio-, Plattenfirmen- und Studioleute sowie ein Historiker kommen zu Wort. Über dem Ganzen liegt ein Kommentar, mit rustikaler Stimme gesprochen von dem Schauspieler Peter Coyote:

1. The Rub -- die Story bis 1933, Southern Gospel, Uncle Dave Macon, Fiddlin' John Carson, die Radiostation WSM und ihre Sendung "Grand Ole Opry" aus dem Ryman Auditorium in Nashville, die ersten Genrestars: Carter Family und Jimmie Rodgers.

2. Hard Times (1933-1945) -- Roy Acuff, Gene Autrey, "dustbowl refugee acts" wie Woody Guthrie, die wachsende Bedeutung von Nashville, der ASCAP-Boykott, der zur Gründung der BMI führte, und natürlich der Zweite Weltkrieg und die Position der Countryszene.

3. The Hillbilly Shakespeare (1945-53) -- Bluegrass und Honky-Tonk fließen zusammen, Hank Williams wird einer der größten Stars (obwohl sich mir aus dem Film nicht recht erschließt, weshalb).

4. I Can't Stop Loving You (1953-63) -- Rockabilly entsteht, die Karrieren von Elvis Presley und Johnny Cash starten, es bildet sich ein typischer "Nashville-Sound" heraus, hier exemplifiziert am Beispiel Patsy Cline. Kurz wird in diesem Kontext der Produzent Owen Bradley vorgestellt, der erstmals auch die Mittel der Studiotechnik einsetzt.

5. The Sons And Daughters Of America (1964-68) -- Der Bakersfield Sound mit Buck Owens entsteht, Loretta Lynn startet mit sehr lebensnahen Songs (ihre enge Freundschaft zu Patsy Cline wird seltsamerweise mit keiner Silbe erwähnt), Merle Haggard wird zum wichtigen Songschreiber, Johnny Cash kommt nach einer Phase der Selbstzerstörung triumphal zurück.

6. Will The Circle Be Unbroken? (1968-72) -- Die Countryszene reagiert auf 1968, etwa in Gestalt von Merle Haggards galligem "Okie from Muskogee" (das aber immer noch freundlicher ist als sein Gegenstück, Freddy Quinns "Wir"), George Jones und Tammy Wynette steigen auf, Singer-Songwriter wie Kris Kristofferson tauchen in Nashville auf und lenken die "klassische" Countrymusik in neue Richtungen. Neue Produzenten werden aktiv, Studios werden eröffnet, die nicht mehr im Zugriff der Major-Plattenfirmen sind.

7. Are You Sure Hank Done It This Way? (1973-83) -- "Outlaws" wie Waylon Jennings, Emmylou Harris, Gram Parsons, Townes Van Zandt und der wunderbare Willie Nelson (ich kann mich noch heute darüber ärgern, dass ich sein Konzert letztes Jahr in Pittsburgh verpasst habe) erscheinen auf der Szene und formen sie in Teilen um, während auf der anderen Seite die Countrymusik in eine Nostalgiephase auf ihre alten Stars kippt und gleichzeitig immer mehr zur Hitparadenware wird, exemplifiziert am Beispiel Dolly Parton. Johnny Cash wird zu seiner eigenen Legende, während sein kommerzieller Erfolg mehr und mehr einbricht, bis ihn Columbia schließlich feuert.

8. Don't Get Above Your Raisin'" (1984-96) -- Das Genre wandelt sich von "Country" zu "Americana". Leute wie Ricky Skaggs oder Dwight Yoakam führen zurück zu den Wurzeln, andererseits erscheinen Superstars wie Garth Brooks, die gleichzeitig in den Country- und Pop-Charts an der Spitze stehen und Stadien füllen. Die Serie endet außerordentlich tränenreich mit dem Tod Johnny Cashs und seinen letzten, von Rick Rubin produzierten "American Recordings".

Es ist kennzeichnend für die weitere Entwicklung des Genres, dass die Serie im Jahr 1996 endet -- es zerfällt danach. Die Folgen sind streckenweise sehr länglich, manche der Zeitzeugen-Kommentare sind nichtssagend. Auf der anderen Seite gibt es Schlüsselszenen und -- manchmal -- Sternstunden: Wenn etwa in der Radiosendung "Grand Ole Opry" der durch Schallplatten bereits recht beliebte Sänger Charlie Pride angekündigt wird, bricht das Publikum in Begeisterungsstürme aus -- die dann innerhalb weniger Sekunden ersterben, als der Sänger auf der Bühne erscheint und klar wird, dass der Mann schwarz ist. Das ist Amerika. Es ist aber ebenso Amerika, dass Charlie Pride das Publikum dann letztlich doch überzeugt. (Mit solchen Widersprüchen lernt man hier als Zugezogener zu leben.) In einer anderen Folge wird auf den Start des Autors und späteren Radioshow-Hosts Garrison Keillor ("A Prairie Home Companion") hingewiesen, jedoch seltsamerweise nie auf seine hocherfolgreiche, politisch durchweg eher liberale Sendung. 

Ken Burns' Sicht auf die Dinge ist stets latent konservativ, wie man das auch schon in Jazz feststellen konnte. Emmylou Harris etwa kommt hier zwar recht ausführlich zu Wort, wird aber weitgehend auf ihre Anfänge im Country reduziert. Dass sie dieses Feld irgendwann hinter sich gelassen hat, nicht zuletzt durch ihre Zusammenarbeit mit Daniel Lanois, kommt nicht vor. Auch eine Sängerin wie k.d. lang, die das Country-Genre gleichermaßen liebt wie hochnimmt, wird nur kurz erwähnt. Im Zusammenhang mit Gram Parsons werden auch The Byrds erwähnt (Sweetheart of the Rodeo), bis zur Marshall Tucker Band oder den Eagles traut man sich dann aber doch nicht vor. Von einer durchaus countryaffinen Band wie der Creedence Clearwater Revival mal nicht zu reden, obwohl selbst Willie Nelson CCR-Songs gecovert hat. Die Qualität eines Songs wird oft mit seiner Chartsplazierung gleichgesetzt, das zumeist konservative Welt- und Familienbild der Countrysongs (und ihrer Gemeinde) wird nicht hinterfragt.

Viel, viel Arbeit. Man mag sich kaum vorstellen, wieviele Stunden die Macher in den Archiven verbracht haben und wieviele Meilen sie zwecks Interviews durch die Lande gereist sind. Das Ganze gibt es als DVD-Box, auf Blue-ray, es gibt begleitend zur Serie eine 5-CD-Box und ein Buch, als Gesamtpaket für 170 Dollar. Bisschen viel für meinen Geschmack,, das muss man nicht alles haben, aber wenn Country Music im Fernsehen läuft: Ansehen lohnt sich.

(Dieser Post erschien zuerst in manafonistas.de)

Sunday, October 20, 2019

Squonk Opera











Pittsburgh, October 20, 2019

Wednesday, October 9, 2019

Schöner sterben mit Laurie

Vor einiger Zeit hatte ich in irgendeinem Manafonistas-Kommentar nebenbei die Frage aufgeworfen, ob Laurie Anderson eigentlich schon immer Buddhistin war oder erst seit neuerer Zeit. Sie hat, wie ich inzwischen weiß, erste Fühlung bereits in den Siebzigern in den Künstlerkreisen von SoHo aufgenommen, sich dann aber nicht weiter darum gekümmert. Erst in den Neunzigern scheint sie dann ernsthaft in den tibetischen Buddhismus eingestiegen zu sein; offenkundig unter dem Eindruck Lou Reeds, John Cages und Philip Glass' (letzterer ist u.a. Mitgründer des buddhistischen Tricycle-Magazins). Ebenfalls in den Neunzigern sprach sie Texte des Dalai Lama für ein Hörbuch.

Und nachdem schon Lauries zurückliegende Alben Heart of a Dog und Landfall recht jenseitig orientiert waren, geht es nun um buchstäblich die letzten Dinge -- beziehungsweise die Dinge zwischen Ende und Neuanfang.





Das Projekt Songs from the Bardo ist 2014 live aufgeführt worden und liegt nun als Studioeinspielung vor. Über einen durchgehenden, sich laufend verändernden Klangteppich spricht Laurie Anderson die Unterweisungen des "Bardo Thodol", auch bekannt als das "Tibetische Totenbuch". Sie selbst spielt Violine, begleitet wird sie von Tenzin Choegyal (Gesang, Gongs, Lingbu, tibetische Bambusflöte, Dranyen, Klangschalen), Jesse Paris Smith (Klavier, Gongs und Klangschalen), Rubin Kodheli (Cello) und Shahzad Ismaily (Perkussion).

Der Begriff "Bardo" steht in der tibetisch-buddhistischen Lehre für "Zwischenzustand" oder "Übergang". Beschrieben werden im Totenbuch (sehr vereinfacht gesagt) die drei Stadien der physischen und psychischen Ereignisse im Sterbeprozess, im Moment des Todes und des Danach. Eine Reihe von Unterweisungen sollen dem Sterbenden vorgelesen werden, um ihn durch die Tage nach dem Tod zu führen und ihm den Weg durch die Erscheinungen zu weisen, mit denen er zu rechnen und auf die er gegebenenfalls zu reagieren hat: die Wahrnehmung des Klaren Lichts, die karmischen Illusionen, die sich als friedvolle und zornige Gottheiten und als sich ständig ausbauendes Mandala zeigen, und die Ereignisse beim Eintritt ins Nirvana oder der möglichen Wiedergeburt -- immer begleitet von dem Hinweis, dass es sich bei allem, was zu sehen oder zu hören ist, um Projektionen des eigenen Geistes handelt. (Es verwundert nicht, dass Timothy Leary diese Teile des Tibetischen Totenbuches vor vielen Jahren einmal in eine Art Reiseführer umgearbeitet hat, der lange Zeit auch als Raubdruck kursierte.)

Man kann die Songs from the Bardo unmöglich im Hintergrund laufen lassen. Die Platte zieht den Hörer in ihren Bann. Lauries (inzwischen deutlich gealterte) Stimme und ihre hochkonzentrierte Sprechweise zwingen zum Zuhören -- auch dann, wenn man vielleicht mit der Thematik des Albums wenig anfangen kann. In letzterem Fall sind die 14 Tracks zumindest eine Reise in eine faszinierende Gedankenwelt. Es ist auch sicher kein Zufall, dass die Platte nicht bei Lauries Hauslabel Nonesuch erschienen ist, sondern bei Smithsonian/Folkways. Das Booklet enthält umfangreiche Texte über das Projekt und die Ausführenden, leider allerdings nicht den von Laurie gesprochenen Text, den man eigentlich gerne mitlesen würde. Man findet den Wortlaut des Totenbuches aber in verschiedenen Übersetzungen im Web.

Alsdann: Awakened One, listen without Distraction.

Hartes Brot, aber es lohnt sich.

Monday, September 9, 2019

Terry Riley: Sun Rings (Kronos Quartet)




Sun Rings for String Quartet, Chorus and pre-recorded Spacescapes ist der vollständige Titel dieser zehnteiligen Kompositionssuite, geschrieben und uraufgeführt mit dem Kronos Quartet bereits 2002. Eines der Stücke, "One Earth, One People, One Love", war bereits Teil des Albums Sunrise of the Planetary Dream Collector, in dessen Folge der Zyklus entstanden ist; das schadet aber nichts, denn nun steht es in seinem richtigen Kontext, am Ende von Sun Rings.

Das Weltall war immer ein faszinierendes Thema, spätestens seit Gustav Holsts Die Planeten ist es auch Teil des Konzertlebens. Dass Sterne und Planeten Radiosignale von sich geben, weiß man schon länger. Voyager 1 und 2 waren sehr fleißige Sammler in dieser Hinsicht. Die NASA zeichnet diese Signale auf und analysiert sie zu Forschungszwecken -- man kann daraus Rückschlüsse auf Atmosphäre, Zusammensetzung und andere Dinge ziehen. Man kann die Signale aber auch elektronisch so bearbeiten, dass sie für menschliche Ohren hörbar werden -- rhythmisch krachend, pfeifend, singend, rauschend. Wer sie pur hören will, findet sie auf der Webpage der NASA. Die Sonne klingt eher aufdringlich, Saturn erinnert an singende Wale, Jupiter dagegen ist fast unheimlich (aber letzteres bilde ich mir vielleicht nur ein; ich fand den Jupiter immer irgendwie unheimlich).

Terry Rileys Verbindung zu den Sternen war ein Peyote-Button, irgendwo in der nächtlichen Landschaft des Tahoe National Forest, in dessen Nähe er aufwuchs. Nun hat er die Sternensounds, die er vielleicht schon damals gehört hat, zur Basis seiner Sun Rings gemacht. Sie liegen nicht nur einfach "unter" der Musik, sondern sind ihr Ausgangspunkt. Die Klänge fließen mit den Streicherklängen, aber auch einem gemischten Chor zusammen, verstärken sie, rhythmisieren sie, geben ihnen Farbe und Atmosphäre. Sun Rings ist auch nicht "klassische Minimal-Musik". Natürlich gibt es die Riley-typischen melodischen Schleifen, aber die Stücke sind auskomponiert, nichts ist Zufall. 9/11 war eine Unterbrechung; Riley wusste eine Weile nicht mehr weiter. Der Schock, den er bis heute mit den meisten Amerikanern teilt, hinterließ Spuren: "Prayer Central", das längste Stück der Suite, ruft, zum Teil in Einzelsilben zerlegt, zum Frieden auf: "Now we must learn to de-pend on vast, mo-tion-less thought." Man mag das hoffnungslos romantisch oder Koyaanisqatsi-selig finden, das ist es auch, aber es funktioniert im Kontext der Musik. Das Schlussstück basiert dann auf der Zuspielung der Stimme der Autorin Alice Walker, die, während sie die 9/11-Anschläge beobachtete, diese Worte als Mantra sprach: "One Earth, One People, One Love."



Sunday, August 25, 2019

Kim Gordon @ The Warhol



Kim Gordon @ The Warhol, Pittsburgh





A boring exhibition. But this might have been intended: