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Friday, September 17, 2010

Pittsburgh Pirates

No idea how this game works, but it was fun to watch.

Pittsburgh, PNC Park, September 17, 2010

Saturday, September 11, 2010

Music Online

(Deutscher Text im Anschluss)

 Whenever in blogs or press articles "the music industry" is mentioned, it is pictured as a sort of dinosaur that practically has died out already. Usually this is followed by the blanket judgment that "the industry" reacted much too late to "the internet", and now the majors and their organizations desperately try to keep the things going as they ever were.

But is this really true?

Meanwhile it's much more my impression that these estimations are routinely copied and pasted into the articles from the standing type. And conversely, I am increasingly stunned about the exuberant expectations many musicians -- as well as many music consumers -- seem to have when it comes to online distribution of music. Over and over we hear: Now, as the internet is available, musicians no longer depend on the sleepyheaded and grabby record companies. Now they are able to produce and to sell their music themselves. In a like manner, the respective magazines and websites regularly feature stories about newcomers being rebuffed by 50 record labels until finally they put their self-made video on Youtube and Myspace. And -- surprise, surprise -- like pulled by magical hand the video had hundreds of thousand of clicks within a couple of weeks, so that finally the record industry couldn't miss them any longer -- and now the first CD is released and the career's going to lift off.

In science there is an old saying that should be remembered from time to time: If something looks too nice to be true, then probably it is not true.

In fact, success stories of the mentioned kind are usually fake. They may have happened in single cases, but as a rule they are inventions, developed by A&R departments of record companies. This works because the alleged incident always happened in the past, and because the pure quantity of new music on the anonymous web makes it nearly impossible to recheck the facts. (And the fans usually don't want to know too exact anyway - myths and fairytales have always been a favored part of the show business.)

It's the other way round it works. Once an act (a band, a solo artist) reached a certain level of popularity, then, not one second earlier, he may be able to say goodbye to his record label and take over production and distribution himself (via internet or which way ever). But before this can happen, this level of popularity has first to be built up. And exactly this is the job of record labels, music publishing companies and concert agencies. Most bands going independent successfully have been known before they took this step.

But how about the newcomers? In his blog, Nathan Yau published an overview that is really instructive in this connection. It has the formal flaw that the scale is changed within the table (from albums to single tracks), but apart from this it makes disenchantingly clear what a musician who wants to make ends meet with his work has to expect currently when he wants to sell his music independently. Or, to put it the other way round: how many downloads he has to sell to reach the margin of subsistence.

Every professional artist (I'm not talking about amateur musicians here, with all due respect) is backed by a team that works professionally for him. And that includes: Money has to be spent. And a lot of work. To build up an act and make him popular enough to fill (at least medium-sized) venues and sell reasonably commercial amounts of recordings: That is a full-time job. The artists can do this only at the price of self-exploitation.

This is why I'm sure the music industry isn't dead and will be needed further on. It will have to change, of course, but this is exactly what's happening already. The process that is described as the "extinction of the music industry" is in fact the restructuring of this industrial sector. It is in full swing.


Wann immer in Blogs oder Presseartikeln von "der Musikindustrie" die Rede ist, wird sie als Dino dargestellt, der eigentlich schon so gut wie ausgestorben sei. Als Ursache dafür wird zumeist pauschal "das Internet" angesehen, auf das die Majors viel zu spät oder gar nicht reagiert hätten, und nun versuchten sie und ihre Organisationen verzweifelt, die Dinge so beizubehalten, wie sie immer waren.

Aber stimmt das wirklich?

Ich zumindest habe mittlerweile eher den Eindruck, diese Einschätzungen werden routinemäßig per copy & paste aus dem Stehsatz in die Artikel eingefügt. Und umgekehrt staune ich zunehmend darüber, welche unglaublichen Erwartungen sowohl viele Musiker wie auch Musikkonsumenten mit der Online-Distribution von Musik zu verbinden scheinen. Immer wieder hört man, durch das Internet seien die Musiker nun endlich nicht mehr auf die schlafmützigen und raffgierigen Plattenfirmen angewiesen. Endlich könnten sie ihre Produktionen nun selbst herstellen und vermarkten. Und ebenso regelmäßig werden in der Presse und einschlägigen Webportalen Newcomer vorgestellt, die, nachdem sie bei 50 Plattenfirmen abgeblitzt waren, schließlich ihr selbstproduziertes Video auf Youtube oder Myspace einstellten. Und Wunder über Wunder, wie durch Zauberhand hatte das Video schon nach kurzer Zeit Hunderttausende von Klicks, so dass die Plattenlabels die Band schließlich nicht mehr länger ignorieren konnten - und nun liegt die erste CD vor und die Karriere hebt ab.

In der Wissenschaft gibt es eine alte Weisheit, an die man sich ab und zu erinnern sollte: Wenn ein Sachverhalt zu schön aussieht, um wahr zu sein, dann ist er mit ziemlicher Sicherheit wirklich nicht wahr.

Tatsächlich stimmen Erfolgsstories der genannten Art so gut wie nie. In Einzelfällen mag so etwas zwar schon mal vorgekommen sein, aber in der Regel sind sie Erfindungen der A&R-Abteilungen von Plattenfirmen. Das funktioniert, weil das angebliche Ereignis immer bereits in der Vergangenheit liegt und die Fakten schon aufgrund der schieren Masse neuer Musik in der Anonymität des Webs kaum mehr überprüft werden können. (Kommt noch hinzu, dass die Fans es meist eh nicht so genau wissen wollen - Mythen und Märchen waren schon immer ein beliebter Bestandteil des Showgeschäfts.)

Umgekehrt wird ein Schuh daraus. Wenn ein Act (Band, Solokünstler) einmal ein bestimmtes Popularitätslevel erreicht hat, dann, aber wirklich erst dann, kann er es sich unter Umständen leisten, sich von seinem Label zu verabschieden und Produktion und Vertrieb (per Internet oder wie auch immer) selbst in die Hand zu nehmen. Diese Popularität aber muss zunächst einmal aufgebaut werden. Genau das ist die Arbeit von Plattenfirmen, Musikverlagen und Konzertveranstaltern. Praktisch alle Acts, die sich erfolgreich selbständig gemacht haben, waren bereits bekannt, bevor sie diesen Schritt gegangen sind.

Wie stellt sich die Situation aber für Newcomer dar? Nathan Yau hat in seinem Blog eine Übersicht veröffentlicht, die in dieser Hinsicht sehr heilsam ist. Sehen wir einmal von dem formalen Fehler ab, dass die Tabelle mittendrin die zu vergleichenden Einheiten wechselt (von Alben zu Einzeltracks), so zeigt sie doch in desillusionierender Deutlichkeit, was einem Musiker, der mit seiner Arbeit seinen Lebensunterhalt bestreiten möchte, erwartet, wenn er seine Musik selbst vertreiben will. Oder umgekehrt ausgedrückt: wieviele Downloads er verkaufen muss, um auch nur auf das Existenzminimum zu kommen.

Hinter jedem professionellen Künstler (die Amateure in Ehren, aber von ihnen rede ich hier nicht) steht ein Team, das ihn professionell betreut. Das beinhaltet auch: Es muss Geld ausgegeben und viel Arbeitszeit investiert werden. Einen Act systematisch aufzubauen und ihn soweit bekannt zu machen, dass er (wenigstens mittlere) Hallen füllt und halbwegs kommerzielle Stückzahlen seiner Werke verkauft: Das ist ein Fulltime-Job. Die Künstler können ihn normalerweise nur um den Preis der Selbstausbeutung selbst übernehmen.

Deshalb können wir unbesorgt davon ausgehen, dass es die Musikindustrie auch weiterhin geben wird. Sie wird sich verändern müssen, aber sie ist bereits dabei, das zu tun. Genau das nämlich, was so gern als "Prozess des Aussterbens" beschrieben wird, ist in Wahrheit nochts anderes als die Neustrukturierung der Branche. Und die ist in vollem Gang.

Friday, August 27, 2010

Cirque du Soleil for Pittsburgh!


Dies ist die Civic Arena in Downtown Pittsburgh, im Volksmund "The Igloo" genannt. Erbaut 1961, war sie die Heimat der Pittsburgh Penguins und beherbergte unzählige Konzerte, Boxveranstaltungen, Basketball-, Fußball-, Tennis- und was immer man sich sonst noch für Spiele vorstellen möchte.

Im Juni 2010 spielten Carole King und James Taylor die Abschiedsmelodie für den Iglu. Die Penguins sind in eine neue Halle gezogen, die Civic Arena steht leer. Niemand weiß, was mit ihr passieren soll, deshalb schwebt jetzt die Abrissbirne über der Kuppel. Und die Diskussionswogen gehen hoch, wie die Leserbriefseite der "Pittsburgh Post-Gazette" fast täglich aufs Neue beweist.

Meine Idee: Dieses architektonisch einmalige Bauwerk schreit geradezu danach, mit einer stationären Show des Cirque du Soleil bespielt zu werden.

Nur eine Idee. Aber wenn sie Ihnen gefällt, hinterlassen Sie doch mal einen Kommentar oder schreiben Sie der Initiative Reuse The Igloo. Manchmal materialisieren sich Seifenblasen - auch heute noch.

This is the Civic Arena in Downtown Pittsburgh, in the vernacular called "The Igloo". Built in 1961, it was home of the Pittsburgh Penguins and housed countless numbers of concerts, boxing events, basketball, soccer, tennis and whatever games you can imagine.

In June 2010, Carole King and James Taylor played the goodbye tune for the igloo. The Penguins moved into another arena, the Civic Arena is abandoned now. Nobody knows what to do with it, so the cupola is overhung with the wrecking ball. The public discussion runs high, as the letters to the "Pittsburgh Post-Gazette" editor prove anew nearly day by day.

My idea: This architecturally unique building simply screams for a permanent Cirque du Soleil show.

It's just an idea. But if you like it, why don't you leave a comment - or write to Reuse The Igloo. Sometimes soap bubbles materialize - still today!

Tuesday, August 17, 2010

Summer in the city ...

Aus der Pittsburgh Post-Gazette von gestern. Bildunterschrift im Original, genau auf dem Falz: "Dana A. of Brockway, a senior at the University of Pittsburgh, leaves a bench Sunday to enter Wesley W. Posvar Hall."

Wir wollen hoffen, dass diese brisante Nachricht nicht womöglich noch zu internationalen diplomatischen Verwicklungen führen wird - aber die verantwortungsbewusste Redaktion wird diese Frage sicherlich gründlich erörtert haben. Auch die politischen Implikationen der Farbgebung werden sorgfältig beachtet worden sein. Deshalb werden wir morgen wahrscheinlich mit der schockierenden Tatsache konfrontiert werden, dass in einem Vorgarten in Shadyside eine rotgrüne Gießkanne leckgeschlagen ist.

So etwas kommt davon, wenn keiner da ist, der sich über die Google-Streetview aufregt, und Bären gerade einmal nicht zur Verfügung stehen. Summer in the city ...

From yesterday's Pittsburgh Post-Gazette. Underline, exactly on the fold: "Dana A. of Brockway, a senior at the University of Pittsburgh, leaves a bench Sunday to enter Wesley W. Posvar Hall."

Let's hope that this explosive news won't lead to international diplomatic complications - but probably the responsible editorial staff thoroughly discussed this question. Also the political implications of the coloring surely have been paid attention to. This is why probably tomorrow we will be confronted with the shocking fact that in a front garden in Shadyside a red-green watering can has gotten a leak.

This is what happens when nobody is there to get steamed up about the Google Street View and just no bears are available. Summer in the city ...

Wednesday, July 14, 2010

Oskar Sala 100



(Deutsche Übersetzung im Anschluss - bitte runterscrollen!)

Next Sunday Oskar Sala would have celebrated his 100th birthday. The trautonium virtuoso, composer and electronic music pioneer was born on July 18, 1910, in Greiz (Thuringia, Germany). He intended to become a pianist, but this didn't happen.

Oskar Sala studied composition with Paul Hindemith's who introduced him to engineer Friedrich Trautwein. In 1922, the physicist had developed an electronic musical instrument which he called "Trautonium". The specific feature of this instrument was not only its sound diversity but in the first place the way it was played: Different from the Ondes Martenot or the Hammond Organ it had no keyboard, it had a steel string instead that had to be pressed down onto a horizontal steel rail like a violin string on the neck.

Sala was immediately thrilled by this instrument. He asked Hindemith to write a piece for the trautonium. Hindemith, an excellent violinist himself, was fascinated too by the playing manner similar to the violin, and so he composed "7 Trio Pieces For Three Trautoniums". They premiered in Berlin in 1930; a three-movement "Concert Piece For Trautonium With String Orchestra Accompaniment" followed in 1931.

The trautonium was never able to get accepted on a wide field, although there were several variations of the instrument: the radio trautonium, several concert trautoniums, the Telefunken company even made a volkstrautonium (popular  trautonium) for music making in the home.

Sala was the only musician who dedicated his life to this instrument. And even more, he developed it further until finally in the fifties the mixturtrautonium was ready to be used in his studio in the Charlottenburg neighborhood of Berlin. It had two string manuals, therefore it was two-voiced, and it was equipped with touch-sensitive liquid resistors under the manuals.

Sala placed a film editing table beneath the instrument to compose and play mainly film musics from then on, mostly directly to the pictures. He specialized in soundtracks for animation movies and several award-winning industry image movies and documentaries up to the nineties; his last film composition probably was the main theme for "Das war die DDR" ("This was the GDR"), a documentary in seven parts (1993) made by MDR TV Leipzig. But Sala also wrote music for feature films, like the Edgar Wallace movie "Der Würger von Schloss Blackmoor" (1963); probably his soundtrack was the best thing about the whole movie. But without question his most famous work was his beautifully eerie soundtrack for Alfred Hitchcock's "The Birds" (1963). Besides this he also did numerous musics for theater and radio plays.

For all his lifetime Sala remained the only artist who delved into this unusual instrument. All in all he wrote and recorded around 300 compositions - not only film soundtracks but also free compositions that are documented on records and which he also used to perform on stage from time to time.

Sala never could warm towards the electronic music as it came up in the second half of the fifties under the aegis of Herbert Eimert and Karlheinz Stockhausen in the Electronic Studio of WDR Radio in Cologne. This music, usually filed under "Cologne School", was too dogmatic for his taste. His musics usually were developed from improvisation, and this was not corresponding to the mathematically determinated minds of these "gentlemen from Cologne", as he used to call them with slightly lifted eyebrows. The animosity was reciprocal. And when Sala is mentioned in music handbooks anyway, then usually only as instrumentalist and someone being on the fringes. His work as composer and pathfinder of electronic music rarely gets a mentioning.

During the sixties, Sala could live quite well with this kind of public disdain. He was busy with film music jobs all over the decade. This changed when at the end of the sixties the Moog synthesizer came up. The trautonium fell more and more into oblivion, and so did Sala himself. For him and his wife the seventies must have been a hard time; he became rather tight-lipped when being asked about this time. But he never gave up; the walk from his apartment to his studio remained his daily ritual.

Then, in the eighties, the trautonium and Sala's remarkable life's work were rediscovered - this time mainly by pop musicians. There lies a certain logic in this because Sala never balked away from playing entertaining music; there are even dance music recordings he participated in. Florian Schneider, founding member of Kraftwerk and now owner of one of Sala's original instruments, described Sala as the one who transferred the electronic music from the avant-garde to popular music.

In 1987, Sala was awarded the "Filmband in Gold" of the German Film Awards (one could call it the "German Oscar"; since 1999 it's known as "Lola") for his film musics. In the following years the Erdenklang label released three Sala CDs, among them the Hindemith compositions, so finally also the "serious" critics discovered him. A couple of new trautoniums were built, now based on modern electronics, and there seem to be some young musicians working with these instruments.

Having a chat with Oskar Sala meant to experience a highly vivid and very eloquent man who up to a ripe-old age was able to talk enthralling and with astute humor about his pioneering years, but he never forgot the presence.

The main part of Sala's estate is to be found today at the Deutsche Museum in Munich which also runs a homepage about him. I would also like to point to Jürgen Hiller's website trautonium.de; to be found there are current trautonium concerts and radio dates. If you would like to see Oskar Sala play, then here is a performance at the Zeil-Galerie, Frankfurt 1993. And here somebody called Trautonist started a great Youtube channel about Oskar Sala.

Oskar Sala passed away in the night from February 26 to 27, 2002, in his apartment in Berlin-Charlottenburg, three years after his wife. I am grateful for having had the pleasure to meet him personnally.



Am kommenden Sonntag wäre Oskar Sala 100 Jahre alt geworden. Der Trautoniumvirtuose, Komponist und Pionier der elektronischen Musik wurde geboren am 18. Juli 1910 in Greiz (Thüringen). Eigentlich wollte er Pianist werden, aber es kam anders.

Oskar Sala gehörte zu den Kompositionsstudenten von Paul Hindemith, der ihn mit dem Ingenieur Friedrich Trautwein bekanntmachte. Der Physiker hatte 1922 ein elektronisches Musikinstrument entwickelt, das er "Trautonium" nannte. Dessen Besonderheit war nicht nur seine klangliche Flexibilität, sondern vor allem die Spielweise: Anders als etwa die Ondes Martenot oder die Hammond-Orgel wurde das Trautonium nicht mit einer Tastatur, sondern einer Saite gespielt, die man auf eine waagerechte Stahlschiene niederdrückte wie auf ein Griffbrett.

Sala begeisterte sich sofort für das Instrument. Er bat Hindemith, ein Stück für das Trautonium zu schreiben. Hindemith, der als exzellenter Violinist von der geigenähnlichen Spielweise fasziniert war, komponierte daraufhin "7 Triostücke für drei Trautonien", uraufgeführt 1930 in Berlin; ein dreisätziges "Konzertstück für Trautonium mit Begleitung des Streichorchesters" folgte 1931.

Durchgesetzt hat sich das Trautonium leider nie, obwohl es in den späten 20er und frühen 30er Jahren etliche Varianten gab: das Rundfunktrautonium, mehrere Konzerttrautonien, die Firma Telefunken stellte sogar ein Volkstrautonium für Hausmusiker her.

Sala aber blieb dem Trautonium für den Rest seines Lebens treu. Und nicht nur das, er entwickelte es sogar selbst weiter, bis schließlich in den 50er Jahren das Mixturtrautonium in seinem Studio in Berlin-Charlottenburg stand. Dieses nun war mit zwei Saitenmanualen ausgestattet, daher zweistimmig und mit Hilfe eines von Sala selbst entwickelten Flüssigkeitswiderstandes unter den Stahlschienen sogar anschlagdynamisch spielbar.

Sala stellte einen professionellen Filmschneidetisch neben sein Instrument und komponierte und spielte fortan hauptsächlich Filmmusiken, meist direkt zum Bild. Seine Spezialität waren Soundtracks für Trickfilme und viele teils preisgekrönte Industrie- und Dokumentarfilme bis in die 90er Jahre hinein; zu seinen letzten Filmmusiken dürfte die Titelmusik zu der siebenteiligen MDR-Dokumentarserie "Das war die DDR" (1993) gehört haben. Aber auch Spielfilme hat Sala mit Musik versehen, etwa den Edgar-Wallace-Film "Der Würger von Schloss Blackmoor" von 1963 (der Soundtrack dürfte das Beste am ganzen Film sein). Am bekanntesten aber wurde fraglos seine schrecklich-schöne Klangkulisse für den Hitchcock-Thriller "Die Vögel" (1963). Auch zahlreiche Theater- und Hörspielmusiken sind zu verzeichnen.

Sala blieb zeitlebens der einzige Künstler, der sich mit diesem so ungewöhnlichen Instrument befasst hat. Insgesamt schrieb und spielte er über 300 Musiken - nicht nur Filmmusiken, sondern auch freie Kompositionen, die auf etlichen Tonträgern dokumentiert sind, mit denen er aber auch immer wieder einmal live auftrat.

Mit der elektronischen Musik, wie sie sich in der zweiten Hälfte der 50er Jahre unter der Ägide von Herbert Eimert und Karlheinz Stockhausen im Elektronischen Studio des WDR herausbildete, hatte Sala allerdings nichts am Hut: Diese damals unter dem Rubrum "Kölner Schule" bekanntgewordene Musik war ihm deutlich zu dogmatisch. Seine oft improvisatorisch entwickelten Musiken entsprachen nicht dem mathematisch determinierten Geist der "Herren in Köln", wie er sie meist mit leicht hochgezogenen Augenbrauen zu nennen pflegte. Die Abneigung beruhte auf Gegenseitigkeit. Und wenn Musikhandbücher den Namen Oskar Sala überhaupt erwähnen, dann meist lediglich als Instrumentalisten und Randerscheinung. Seine Arbeit als Komponist und Wegbereiter der elektronischen Musik wird in aller Regel komplett unterschlagen.

Während der 60er Jahre konnte Sala mit dieser Art öffentlicher Missachtung relativ gut leben, denn das Filmmusikgeschäft lief gut, über Auftragsmangel hatte er nicht zu klagen. Mit dem Aufkommen des Moog-Synthesizers Ende der 60er Jahre aber änderte sich das. Das Trautonium geriet in Vergessenheit, und mit dem Instrument auch Sala selbst. Die 70er Jahre müssen für ihn und seine Frau hart gewesen sein; er wurde ziemlich wortkarg, wenn man ihn auf diese Zeit ansprach. Aufgegeben hat er aber nie; der Gang von seiner Wohnung zum Studio blieb sein tägliches Ritual.

In den 80er Jahren wurde das Trautonium und mit ihm Salas bemerkenswerte Lebensleistung dann plötzlich wiederentdeckt - nun allerdings eher von Popmusikern. Darin liegt eine gewisse Logik, denn Sala hat sich nie gescheut, auch Unterhaltungsmusik zu spielen; es gibt sogar Tanzmusikaufnahmen, auf denen er mitwirkt. Florian Schneider, Gründungsmitglied der Gruppe Kraftwerk, der heute eines von Salas Originalinstrumenten besitzt, bezeichnete Sala als denjenigen, der die elektronische Musik von der Avantgarde in die populäre Musik überführte.

Für seine Filmmusiken wurde Sala 1987 mit dem Filmband in Gold des Deutschen Filmpreises (seit 1999 "Lola") ausgezeichnet. In der Folge dieser Auszeichnung und nachdem das Erdenklang-Label drei Sala-CDs u.a. mit den Hindemith-Kompositionen veröffentlicht hatte, entdeckte ihn endlich auch die "seriöse" Kritik. Es wurden einige neue Trautonien auf der Basis moderner Elektronik gebaut, und es scheint nun auch einige junge Musiker zu geben, die sich dem Instrument widmen.

Wer mit Oskar Sala sprach, erlebte einen höchst lebendigen, sehr eloquenten Mann, der bis ins hohe Alter spannend und mit verschmitztem Humor von seinen musikalischen Pionierjahren erzählen konnte, ohne darüber das Heute zu vergessen.

Salas Nachlass befindet sich heute größtenteils im Deutschen Museum in München, das auch eine eigene Homepage für ihn eingerichtet hat. Hinweisen möchte ich auch auf Jürgen Hillers Webseite trautonium.de; dort findet man auch Hinweise auf aktuelle Radiosendungen und Trautonium-Konzerte. Und wer Oskar Sala spielen sehen möchte, findet hier einen Auftritt in der Frankfurter Zeil-Galerie von 1993. Und hier wäre dann noch ein sehr schöner Youtube-Channel über Oskar Sala, den jemand namens "Trautonist" eingerichtet hat.

Oskar Sala starb in der Nacht vom 26. zum 27. Februar 2002 in seiner Charlottenburger Wohnung, drei Jahre nach seiner Frau. Ich bin dankbar, dass ich ihn persönlich kennenlernen durfte.

Monday, July 5, 2010

Gaga Ladies

Wie die New York Times kund und zu wissen tat, hat Lady Gaga eine neue Single veröffentlicht: "Bad Romance". Das Stück, ebenso das dazugehörige Video, ist öde Massenkonfektion und eigentlich nicht weiter der Rede wert. Neugierig wurde ich nur, weil die NYT den Artikel ins Ressort "Health" einsortiert hat, desgleichen auch etliche weitere Zeitungen, die den Artikel übernommen haben.

Das erklärt sich wie folgt: Das Video zeigt die Sängerin ein paar Sekunden lang mit computertechnisch gemorphten übergroßen Augen, die dem Gesicht die Erscheinung einer japanischen Anime-Figur geben. Das würde im Prinzip weder den Song noch das Video origineller machen, wäre da nicht das Phänomen zu beobachten, dass amerikanische Highschool-Schülerinnen und College-Studentinnen sich plötzlich Kontaktlinsen einsetzen, die diesen Anime-Eindruck imitieren - und diese für 20 bis 30 Dollar erhältlichen Linsen, so sagt der in dem Artikel unvermeidlich aufgefahrene Augen-Experte, "could deprive the eye of oxygene and cause serious vision problems."

Im letzten Semester musste man noch darauf gefasst sein, dass die Studentinnen mit kunstvoll verwuscheltem Haar, im Schlafanzug und mit Hausschlappen an den Füßen im Hörsaal erschienen, gerade so, als seien sie just erst aus dem Bett gestiegen. (Mit Sicherheit haben sie morgens mindestens eine halbe Stunde gebraucht, um diesen Look hinzukriegen. Was aber weiter kein Problem ist, denn da den amerikanischen Universitäten die "dorms" (Wohnheime) meist direkt angeschlossen sind, müssen die Studierenden oft nicht mal ins Freie, um vom Bett in den Hörsaal zu gelangen.) Diese Masche scheint nun erledigt zu sein. Wir dürfen gespannt sein auf das kommende Semester, in dem die Lehrenden dann wohl in übergroße, vermutlich heftig tränende Anime-Augen ihrer Studentinnen blicken werden.

Saturday, June 26, 2010

Fußball-USA ...

In den USA interessiert sich kaum jemand für Fußball. Manche sind darauf sogar stolz, wie etwa der Sportkolumnist Ron Cook in der "Pittsburgh Post-Gazette" vom Mittwoch: "To me, being an American means that everybody is entitled to his or her opinion. When it comes to soccer - World Cup or otherwise - my opinion is that I don't like it, can't stand it, am not sure I would watch more than a few minutes of it even if my life depended on it." - Drunter tut's der Football-Fan nicht.

Aber es gibt auch andere, die das anders sehen. Das 1:0 der USA gegen Algerien am Mittwoch sahen immerhin 8,6 Millionen Zuschauer im Sportkanal ESPN (einem Subunternehmen von ABC/Disney), dazu kamen 1,1 Millionen Zuschauer, die den Livestream an ihrem Computer verfolgten. Das ist auch in den USA nicht von Pappe, zumal man nicht vergessen darf, dass die Übertragung in den USA an einem ganz gewöhnlichen Alltagvormittag um 10 Uhr lief.

Das heutige Spiel der USA gegen Ghana lief am Sonnabendnachmittag auf ABC bzw. dessen affiliierten Lokalsendern (hier in Pittsburgh WTAE). Auf die Zuschauerzahlen darf man gespannt sein, und erst recht auf deren weitere Entwicklung. Denn obwohl sich die Kommentatoren redlich Mühe gegeben haben, den Ball ins Tor zu schreien, hat das Team der USA das Spiel ja leider verloren. Und wie das so ist: Wenn das eigene Team nicht mehr dabei ist, dann wird das gerade noch aufkeimende Zuschauerinteresse wohl wieder dahinschmelzen und der Rest der WM am ESPN- bzw. ESPN-2-Katzentisch weiterlaufen.

Immerhin, ESPN ist noch besser als "Versus". Dieser Sportkanal, der im Regelfall so aufregende Dinge abhandelt wie "Bull Riding", "Fishing" oder "Extreme Cage Fighting", ist eine Tochter des Kabelanbieters Comcast und sammelt ein, was der internationale Sportrechtemarkt an Last-Minute-Angeboten zu bieten hat. Der Höhepunkt des Jahres bei Versus ist die Tour de France. Die ist zwar immerhin das zweitgrößte Sportereignis der Welt nach den Olympischen Spielen, aber nicht in den USA. Als Radsportfan hier muss man froh sein, dass es wenigstens Lance Armstrong gibt. Bei dem interessiert sich zwar kaum jemand dafür, welchen Sport er eigentlich betreibt (Fahrräder gelten hierzulande immer noch eher als Kinderspielzeug denn als Sportgerät oder - Himmel hilf! - als seriöses Fortbewegungsmittel für jeden Tag). Aber weil Armstrong der Mann ist, der den Krebs besiegt hat, und weil er irgendwann mal mit Sheryl Crow zusammen war, und weil er dem Hörensagen nach diese obskure Tour wohl auch schon ein paarmal gewonnen haben soll, lohnt es sich zumindest für diesen Mini-Sportkanal, die Tour de France dennoch zu covern - und das sogar live, am frühen Vormittag.

Mit American Football, des Kolumnisten Cooks ganzem Stolz, darf man das alles natürlich ohnehin nicht vergleichen. Nicht nur, weil Football und Fußball zwei völlig unterschiedliche Spiele sind, die sich kaum miteinander vergleichen lassen, sondern auch im Hinblick auf die Größenordnungen. Der letzte Super Bowl hatte 105,6 Millionen Fernsehzuschauer. Die Werbepreise für diese Übertragung sind die höchsten in den USA überhaupt. Viele Werbespots werden speziell für dieses Ereignis hergestellt, gelten aus unerfindlichen Gründen als hochoriginell und ungeheuer kreativ und werden auf breiter Ebene in den Kneipen und Büros diskutiert.

Da kann der Fußball machen, was er will: Er wird in den USA eine Randsportart bleiben. So lange jedenfalls, bis die FIFA Timeouts während des Spiels zulässt, in denen man Bierwerbung unterbringen kann.